Ein Gespräch mit Lisa Schmidt, Case-Managerin beim BU-Expertenservice

Lisa, bevor wir in die Details des Falls einsteigen: Was war das für ein Mensch, den du begleitet hast? In welcher Situation kam er zu euch?

Er ist ein unglaublich beeindruckender Mensch. Seine Krankengeschichte reicht weit zurück: Bereits im Jahr 2000 erkrankte er schwer an Krebs. 2012 folgte eine weitere schwere Erkrankung, die schließlich eine beidseitige Lungentransplantation notwendig machte. Trotzdem hat er sich jedes Mal zurück ins Leben, in den Alltag und sogar zurück ins Berufsleben gekämpft – und zwar bis heute. Er arbeitete viele Jahre als Senior Marketing Manager in einem Unternehmen für medizinische Produkte, war direkt dem Vorstand zugeordnet und häufig beruflich unterwegs. Nach seiner Transplantation kehrte er – auf eigenen Wunsch – in reduzierter Form in seinen Beruf zurück. Trotz seiner stark eingeschränkten Leistungsfähigkeit zeigte er große Motivation und Willenskraft, um weiterhin arbeiten zu können. Später kam es zu einem erneuten gesundheitlichen Rückschlag, als ein Nierenversagen hinzukam, was zur Folge hatte, dass er regelmäßig zur Dialyse muss.  

 

Viele Menschen wissen gar nicht, was Leistungsfallexperten eigentlich tun. Wie erklärst du eure Aufgabe jemandem, der zum ersten Mal davon hört?

Wir als BU-Expertenservice unterstützen Menschen dabei, ihre Berufsunfähigkeitsversicherung richtig zu nutzen, wenn sie krank werden oder nicht mehr arbeiten können. Wir unterstützen mit unserer Dienstleistung als Rechtsberater, den Kunden dabei, seine berechtigten Ansprüche zu erhalten. Das bedeutet: Wir erklären ihm Schritt für Schritt wie eine Leistungsprüfung verläuft, welche Unterlagen notwendig sind, übernehmen die gesamte Leistungsfallbegleitung inkl. Korrespondenz mit dem Versicherer, sammeln gemeinsam mit ihm die nötigen Unterlagen, bewerten und ordnen medizinische Unterlagen ein und prüfen, ob alles vollständig ist.

Unsere langjährige Erfahrung und unser tiefes Verständnis medizinischer, berufskundlicher und versicherungsvertraglicher Prozesse ermöglichen es uns, Fälle besonders sorgfältig und kompetent zu beurteilen. Im Endeffekt entsteht so eine echte Win-win-Situation für Kundinnen und Kunden sowie für den Versicherer. Wir begleiten den Fall auf Augenhöhe und sorgen dafür, dass der Versicherer alle erforderlichen Nachweise erhält, um eine fundierte und faire Entscheidung treffen zu können.

Kurz gesagt: Der BU-Expertenservice sorgt dafür, dass man im Fall einer Berufsunfähigkeit nicht allein vor dem Papierkram und den Anforderungen der Versicherung steht und man die Leistungen bekommt, die einem zustehen.

 

Was unterscheidet eure Arbeit von dem, was Kunden oder Vermittler allein tun könnten?

Der größte Unterschied liegt in Tiefe, Erfahrung und Spezialisierung.
Viele Kundinnen und Kunden – und auch die meisten Vermittler – kennen den Prozess der Berufsunfähigkeits­prüfung gar nicht oder nur oberflächlich. Der Makler/Betreuer steht selten damit in Kontakt und hat während seiner beruflichen Laufbahn eher hin und wieder mal einen Leistungsfall. Beim BU-Expertenservice ist genau das der tägliche Schwerpunkt.

 

In diesem Fall hast du erreicht, dass Leistungen für 13 Jahre rückwirkend anerkannt wurden. Wie außergewöhnlich ist so etwas?

Extrem außergewöhnlich. Rückwirkende Anerkennungen kommen durchaus vor – drei, vier oder fünf Jahre sind schon bemerkenswert. Aber 13 Jahre sind eine absolute Ausnahme und bewegen sich in einem Bereich, den man fast schon als einzigartig bezeichnen kann.

Man muss sich die Ausgangssituation vor Augen führen: Wir treten an den Versicherer heran und sagen sinngemäß: „Unser Kunde war bereits seit 2012 berufsunfähig – und zwar, obwohl er all die Jahre weitergearbeitet hat.“
Eine solche Konstellation ist für sich genommen schon hochkomplex. Der Versicherer muss nachvollziehen können, 
wie jemand trotz massiver gesundheitlicher Einschränkungen über so lange Zeit beruflich funktionierte – und warum diese Tätigkeit objektiv dennoch als nicht mehr zumutbar galt.

Das sauber und lückenlos zu belegen, erfordert nicht nur eine außergewöhnlich gründliche medizinische und berufskundliche Aufarbeitung, sondern auch sehr viel Erfahrung im Umgang mit solchen Grenzfällen. Genau hier zeigt sich, wie wichtig Expertise und eine präzise Dokumentation sind, damit am Ende eine faire, fundierte Entscheidung getroffen werden kann.

 

Viele Menschen glauben: „Wenn ich gearbeitet habe, kann ich nicht berufsunfähig gewesen sein.“ Warum war das hier anders?

Er hat zwar nach 2012 wieder gearbeitet, aber in deutlich reduziertem Umfang und mit anderen Aufgaben. Vor seinen gesundheitlichen Beschwerden war er in einer leitenden Position, oft auf Geschäftsreisen – europaweit, sogar nach Südafrika und Russland. All das konnte er danach nicht mehr leisten. Teilzeit und weniger Verantwortung spiegeln genau diese Veränderungen wider. Auch der deutliche Gehaltsunterschied zeigt, wie stark seine Leistungsfähigkeit eingeschränkt war. Das gilt es zu belegen und nachzuweisen sowie entsprechend gegenüber dem Versicherer zu argumentieren.

 

In diesem Fall ging es „nur“ um eine Beitragsbefreiung – trotzdem um eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich. Warum unterschätzen Kunden solche Beträge häufig?

Monatliche Beiträge nimmt man persönlich oft kaum wahr. Über 10 oder 13 Jahre summiert sich das aber zu einer beachtlichen Summe. Natürlich wäre es ideal gewesen, wenn der Kunde auch eine Berufsunfähigkeitsrente abgesichert hätte – aber besser diese Absicherung als gar keine. Solche Fälle machen vielen erst bewusst, wie viel oder wie wenig sie tatsächlich abgesichert haben.

 

Du erlebst oft, dass Menschen weiterarbeiten, obwohl sie längst berufsunfähig sind. Warum passiert das?

Viele wissen gar nicht genau, ab wann sie eigentlich Anspruch haben. Andere trauen sich gar nicht, den Antrag zu stellen – der Papierkram, die medizinischen Unterlagen, die ganze persönliche Belastung, das ist einfach riesig, vor allem bei schweren Erkrankungen oder psychischen Einschränkungen.
Hinzu kommt oft das Schamgefühl und die Schwierigkeit, sich einzugestehen: ‚Ich brauche jetzt die Unterstützung.‘ Und leider gibt es immer noch diesen Gedanken: ‚Ich zahle ein Leben lang, aber wenn ich mal etwas brauche, kriege ich eh nichts.‘ Genau das hält viele davon ab, überhaupt den ersten Schritt zu machen.“

 

Was macht BU-Fälle so komplex? Viele denken ja, man füllt einfach ein Formular aus.

Bereits der Leistungsantrag selbst ist für viele eine große Hürde. Je nach Versicherer umfasst er 16, 18 oder sogar 20 Seiten und fragt sehr detailliert nach der medizinischen und beruflichen Situation. Viele scheitern genau daran, weil sie nicht wissen, dass diese Details die Grundlage für die Entscheidung über den Antrag sind.

Ein Beispiel: Eine Krankenschwester denkt vielleicht, jeder wisse, was sie tut. Doch es kann einen enormen Unterschied machen, auf welcher Station sie arbeitet, welche Schichten sie hat, welche prägenden Tätigkeiten sie ausführt und in welchem Fachgebiet sie tätig war. Selbst wie oft sie bestimmte Aufgaben erledigt, kann entscheidend sein.

Jeder Beruf ist individuell – und genauso individuell ist auch jeder Krankheitsverlauf. Genau das gilt es aufzuarbeiten und sorgfältig vorzubereiten, damit der Versicherer eine solide Entscheidungsgrundlage für die Bewertung hat. Solche Feinheiten können am Ende darüber bestimmen, ob ein Antrag anerkannt oder abgelehnt wird.

 

Welche Rolle können Vermittler im BU-Leistungsfall spielen – und wann sollten sie an Experten übergeben?

Vermittler spielen eine sehr wichtige Rolle. Sie sind meist der erste Ansprechpartner für ihre Kunden und erkennen oft schon frühzeitig, dass jetzt eine Berufsunfähigkeit greifen könnte – manchmal sogar bevor der Kunde selbst daran denkt. Sie können ihre Kunden entsprechend beraten, die ersten Schritte begleiten und erklären, welche Unterlagen im Leistungsfall benötigt werden. Auch moralische Unterstützung ist ein großer Faktor, denn viele Betroffene sind gesundheitlich stark belastet und unsicher, wie sie den Antrag überhaupt richtig stellen.

Allerdings gibt es Grenzen. Sobald der Fall komplex wird – zum Beispiel bei langwierigen Krankheitsverläufen, mehreren Diagnosen oder Unsicherheiten, wie die berufliche Tätigkeit korrekt dargestellt werden muss – ist es sinnvoll, den Fall an Experten zu übergeben.

 

Spielt auch das Thema „Haftung“ für Vermittler eine Rolle im Leistungsfall?

Ja, durchaus berechtigte Frage. Auch das Thema Haftung für Vermittler spielt eine Rolle. Vermittler beraten ihre Kunden ja zu Versicherungen und können dafür haftbar gemacht werden, wenn sie Fehler machen. Das kann nicht nur in der Beratung beim Vertrieb passieren, sondern auch im Leistungsfall, zum Beispiel, wenn sie wichtige Hinweise zum Leistungsfall nicht geben oder Unterlagen falsch oder unvollständig weiterleiten. Gerade bei komplexen Fällen, wo medizinische Befunde, berufliche Details und versicherungsvertragliche Anforderungen zusammenkommen, kann das Risiko steigen. Deshalb ist es oft sinnvoll, solche Fälle an Experten zu übergeben. So stellen Vermittler sicher, dass ihre Kunden bestmöglich unterstützt werden und sie selbst rechtlich auf der sicheren Seite bleiben.

 

Zum Abschluss: Was möchtest du Menschen mitgeben, die gesundheitlich stark eingeschränkt sind, aber trotzdem weiterarbeiten, weil sie glauben, sie hätten keinen Anspruch?

Es lohnt sich fast immer, genauer hinzuschauen. Viele kämpfen sich durch den Alltag, obwohl sie längst Anspruch auf Leistungen hätten. Sich einzugestehen, krank zu sein, fällt schwer – aber es kann ein wichtiger Schritt für einen persönlich und die finanzielle Absicherung sein.

Mein Rat: Hol dir Unterstützung. Lass deinen individuellen Fall prüfen. Ein erfahrener Experte kann dich aus einer Situation herausholen, die du allein kaum bewältigen kannst.